Veränderung mit Hilfe des Lean Management aktiv gestalten

Monatskennzahlen Lean Point

Besprechungen im Lean Point und die dort ausgehängten Daten geben täglich kumuliert Aufschluss über den Soll- und Ist-Zustand festgelegter Kennzahlen.

Shadowboard

Beim Shadow Board zeigt ein Foto neben der Werkzeug-Aufbewahrung den Soll-Zustand an und hilft so, Standards einzuhalten. Denn auf dem Foto ist direkt erkenntlich, wo die einzelnen Werkzeuge ihren Platz haben - und man sieht sofort, wenn etwas fehlt.

Eintragung Teamboard

Eintragungen am Teamboard erfolgen stündlich.

Nachdem die Holzapfel Group im November 2010 mit der Einführung des Lean Management begonnen hat, ist es nun Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Die galvano news-Redaktion sprach mit Thomas Nickel, Betriebsleiter der Holzapfel Metallveredelung GmbH, über transparente Prozesse, Ausdauer in der Umsetzung und Nachhaltigkeit.

galvano news: Lean wird häufig als „Schlankheits-Kur“ missverstanden. Worum geht es tatsächlich? 
Thomas Nickel: Der Begriff „Schlankheits-Kur“ ist nicht wirklich so verwerflich wie er in den Zusammenhang vielleicht klingt. Denn Ziel eines ganzheitlichen Lean Managements ist, alle Aktivitäten innerhalb der Wertschöpfungskette optimal aufeinander abzustimmen und damit jede Art von „Verschwendung" zu eliminieren und somit Prozesse zu „verschlanken“.  Ein wichtiger Aspekt besteht darin, alle Prozesse transparent zu gestalten. Dafür werden Standards gesetzt und permanent verbessert, und das betrifft übergreifend alle im Unternehmen – die Administration genauso wie die Produktion.

galvano news: Wie hat die Holzapfel Group die Philosophie des Lean Management in der betrieblichen Praxis eingeführt?
Thomas Nickel: Wenn es um Veränderungen und vor allem schlanke Prozesse geht, denken viele gleich, es würden „Köpfe rollen“. Daher war bei der Einführung des Lean Management ein wichtiger Aspekt, diese Angst durch Information und Schulungen zu nehmen. Dabei wurde auch klar, dass eine übergreifende Verhaltens- und Kulturänderung erforderlich ist. Bei der nachhaltigen Umsetzung helfen uns z. B. die 5 W-Fragetechnik oder Brainstormings, aus deren Ergebnissen Maßnahmenpläne mit klarer Aufgabenzuordnung resultieren. 

galvano news: Was sind, aus Ihrer Sicht als Betriebsleiter der Holzapfel Metallveredelung GmbH, die wichtigsten Aspekte des Themas Lean Management?
Thomas Nickel: Wichtig ist vor allen Dingen, dass bei der Einführung zunächst die Mitarbeiter, dann die Prozesse und anschließend die Strukturen berücksichtigt werden. Erst wenn die Mitarbeiter informiert sind und sich einbringen, können Prozesse und anschließend Strukturen dauerhaft geändert werden. Weiterhin ist Lean Management kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Veränderungsprozess, bei dem alle mitziehen und auch entsprechende Ausdauer mitbringen müssen. Zudem halte ich die Konzentration auf die nicht wertschöpfenden Prozesse für wichtig, denn diese müssen reduziert und sukzessive eliminiert werden. Die Wertstromanalyse ist ein zentrales Instrument zur Optimierung des Produktionsprozesses. Mit ihrer Hilfe schaffen wir Transparenz und finden immer neue Handlungsansätze. Außerdem ist Lean einfach und umsetzungsorientiert. Es wird „mit der Hand am Arm“ gelebt – Maßnahmen werden nicht am grünen Tisch geplant, sondern direkt vor Ort in die Tat umgesetzt. Bei Lean Management geht es nicht ausschließlich darum, die Effizienz der Prozesse im Unternehmen zu steigern. Es trägt auch entscheidend dazu bei, Ressourcen zu schonen, die Umweltbilanz zu verbessern und flexibel auf Veränderungen der Märkte sowie unserer Kunden reagieren zu können.

galvano news: Durch das Lean Management erlangen Sie für Ihre Kunden Handlungsflexibilität. Welche weiteren Vorteile dürfen Kunden der Holzapfel Group zukünftig noch erwarten?
Thomas Nickel: Unsere Kunden wissen durch die standardisierten, klaren Prozesse einen verlässlichen und gleichzeitig flexiblen Partner an ihrer Seite. Denn durch transparente Standards können wir reproduzierbare Oberflächen-Ergebnisse in hoher Qualität liefern und diese permanent weiterentwickeln.

galvano news: Lean Management hat einen großen Einfluss auf interne Abläufe, Strukturen und Prozesse. Welcher ist, intern gesehen, der größte Vorteil des Lean Management?
Thomas Nickel: Der größte Vorteil besteht darin, Werte ohne Verschwendung zu schaffen. Klare Prozesse und transparente Aufgabenverteilung haben außerdem dazu geführt, dass die Kommunikation um viele unnötige Aspekte reduziert werden konnte. Die hinzugewonnene Transparenz und das Arbeiten mit Kennzahlen sind ebenfalls positiv zu bewerten, zumal das Thema Kennzahlen eng mit kontinuierlichen Verbesserungsprozessen einhergeht. Veränderungen werden messbar. 

galvano news: Welche konkreten Maßnahmen wurden bei der Holzapfel Group bereits umgesetzt? 
Thomas Nickel: Neben den bereits genannten Schulungen, die insbesondere das Verständnis für das Thema Lean gefördert haben, sind festgelegte Wege zur Problemlösung mit klaren Aktionsplänen und Zuständigkeitsregelungen eingeführt worden. Das sorgt für die schnelle Umsetzung von Maßnahmen. Ein anderes Beispiel ist das Arbeiten mit Kennzahlen und deren offenen Kommunikation. Dadurch werden die Mitarbeiter in Prozessänderungen aktiv eingebunden. Mit der Arbeitsplatzorganisation nach 5S wurden einheitliche, transparente Standards zu Sauberkeit und Ordnung am Arbeitsplatz geschaffen. Dank dieser Vorgehensweise werden aus „Betroffenen“ Beteiligte.

galvano news: Welche sichtbaren Veränderungen und Erfolge haben diese Maßnahmen mit sich gebracht?
Thomas Nickel: Die saubere und prozessorientierte Arbeitsplatzgestaltung ist für jeden deutlich sichtbar. Der positivste Effekt ist sicherlich, dass sich die Mitarbeiter mehr in die Unternehmensprozesse einbringen und somit besser damit identifizieren. Es ist spürbar, dass alle auf gemeinsame Ziele ausgerichtet sind. So sehe ich zwar noch Potential für eine weitere Entwicklung, aber auch die richtige Basis, um nachhaltig an unseren Prozessen zu arbeiten.

galvano news: Welche nächsten Meilensteine sind nun im Rahmen des Lean Managements noch zu nehmen?
Thomas Nickel: Ein zentraler Meilenstein ist die Einführung von Kanban, die mit einer Verfügbarkeitssteigerung, automatisierten Prozessen und einer Reduzierung der Warenbestände einhergeht. Ein anderer wichtiger Punkt ist für uns TPM, d. h. die total productive maintenance, bei der es vor allem um vorausschauende Instandhaltung geht. Außerdem setzen wir KVP-Prozesse auf dem shop floor um. Das bedeutet, dass wir kontinuierliche Verbesserungsprozesse direkt mit dem Fertigungsteam vor Ort angehen und in kleinen Schritten umsetzen.

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